Die Kulturfritzen

Die Kulturfritzen

Der Kulturpodcast aus Berlin

Zwischen Hunger und Ekstase – Berlin in den Krisenjahren 1922/23

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In Krisenzeiten neigt der Mensch zum Extrem. Und so verwundert es nicht, dass in den frühen 1920er-Jahren, als die Inflation in Deutschland beispiellose Ausmaße annahm, nicht nur Hunger und Armut das Leben der Menschen bestimmte, sondern sich auch die verbotene Lust aufs Tanzen, eine exzessiv ausgelebte Sexualität, der Konsum von Rauschmitteln und neue Formen der Kriminalität Bahn brachen.

Marc Lippuner spricht mit dem Autor Armin Fuhrer, dessen Buch "Hunger & Ekstase" sich mit der Ambivalenz der Katastrophenjahre 1922/23 auseinander setzt, über die Allgegenwärtigkeit der Prostitution in jener Zeit, über als Schönheitsabende deklarierte Sexpartys, über den niveauvollen Nackttanz der skandalreichen Anita Berber, über das gesellschaftliche Aushebeln eines aus Kriegstagen bestehenden Tanzverbots sowie über wilde Cliquen und Ringvereine, die das Bild des kriminellen Berlins der 1920er-Jahre bis heute prägen.

Die Inflation von 1923

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Inflation. Ein Wort, mit dem wir uns seit einigen Wochen und Monaten auseinandersetzen müssen. Bereits vor 100 Jahren wurden die Deutschen mit einer Entwertung ihres Geldes konfrontiert, in weit erschreckenderem Ausmaß als heute. Die Inflation 1923 war eine Spätfolge des Ersten Weltkriegs, eine Blase, die fünf Jahre nach der Kapitulation endgültig platzte. Deutschlands Wirtschaft lag am Boden, der Staat war pleite. Um den Reparationszahlungen und weitern finanziellen Verpflichtungen nachkommen zu können, wurde die Notenpresse angeworfen, bis sie heiß lief, woraufhin der Wert der Mark deutscher Währung ins Bodenlose fiel.

Marc Lippuner spricht mit dem Autor Armin Fuhrer, der ein Buch über die Katastrophenjahre 1922/23 geschrieben hat, über die Ursachen der Inflation, warum der Mord an Reichsaußenminister Walther Rathenau den Beginn der Hyperinflation einläutete, wie Gustav Stresemann dem Schrecken ein Ende setzte, wer dabei auf der Strecke blieb und wer darauf wiederum Profit zu schlagen verstand.

Zur Geschichte der Filmstadt Berlin [Teil 2: 1930 bis heute]

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Nachdem in der vorangehenden Episode über die Anfänge des Films und Berlin als Stummfilmmetropole Europas gesprochen wurde, widmen sich Marc Lippuner und sein Gast Oliver Ohmann diesmal der Zeit ab 1930.

Ein Gespräch über den ersten Tonfilm, der Geräusche auch dramaturgisch einsetzte, über die Nationalsozialisten, die die Macht des Films als Propagandainstrument und Ablenkung zu nutzen wussten, über das Genre des Trümmerfilms und die Anfänge der Berlinale, über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von in Ost- und Westberlin entstandenen Filmen, über Avantgardekino und späte Filmklassiker, über halbstarke Männer und gebrochene Frauenfiguren sowie über den neuen Berliner Film und wieviel Hollywood in ihm steckt.

Zur Geschichte der Filmstadt Berlin [Teil 1: 1895 bis 1930]

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Kaum jemand weiß es: Die Erfolgsgeschichte des Kinos begann in Berlin. 1895 führte der Pankower Schausteller Max Skladanowsky seine nur wenige Sekunden langen Filme erstmals öffentlich vor, fortan gehörten Kurzfilme ins Repertoire eines jeden guten Varietés. Es sollte mehr als zwei Jahrzehnte dauern, bis abendfüllende Spielfilme entstanden und Lichtspielhäuser errichtet wurden. In der Weimarer Republik wurde Berlin zur Stummfilmmetropole Europas, bis Ende der 1920er-Jahre der Tonfilm seinen Durchbruch erlebte.

Marc Lippuner unterhält sich mit Oliver Ohmann, der ein Buch zur Geschichte der Filmstadt Berlin geschrieben hat, über die Anfangsjahre des Films. Ein Gespräch über die technische Voraussetzungen, durch die Bilder das Laufen lernten, über die Nähe des frühen Films zum Varieté und die Konkurrenz zum Theater, über den Bühnenschauspieler Albert Bassermann, mit dessen Engagement der Film als Kunstform Anerkennung erlangte, über Weißensee als erste Filmstadt, über "Das Cabinet des Dr. Caligari" (1920) und "Metropolis" (1927), zwei in Berlin entstandene Meilensteine der Filmgeschichte, sowie über Marlene Dietrich, die in "Der blaue Engel" Emil Jannings, den ersten Oscargewinner, gnadenlos an die Wand spielte.

Karrieren Berliner Kochbuchautorinnen

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Bereits im 18. Jahrhundert gab es einen wahren Kochbuch-Boom, der eine der wenigen Möglichkeiten darstellte, bei denen sich Frauen hervortun konnten. Was nach Klischee klingt, kann jedoch auch als frühe Möglichkeit eines selbstbestimmten Lebens gelesen werden: Die Motive für das Publizieren von Rezepten waren hierbei ganz unterschiedlicher Natur, wie die auf Regionalgeschichte spezialisierte Historikerin Birgit Jochens in ihrem Buch "Zwischen Ambition und Rebellion" deutlich macht, in welchem sie die Karrieren von zehn Berliner Kochbuchautorinnen aus drei Jahrhunderten in den Blick nimmt.

Marc Lippuner spricht mit Birgit Jochens über die Lebenswege der Autorinnen, unter ihnen die Gründerin der Berliner Volksküchen, eine vielschreibende Verlegergattin, die Inhaberin einer privaten „Irrenanstalt“, ein Starlet des jungen Films, das wusste, was Männern gut schmeckt, sowie eine Landwirtschaftsexpertin, die in Kinderkochbüchern Likör zum Verfeinern von Desserts empfahl, aber auch die aphrodisierende Wirkung von Lebensmitteln in erotischen Kochbüchern vorstellte. Ein Gespräch über die aufwendige Gestaltung von Kochbüchern, Essen, das nur im Zwielicht serviert werden sollte, Krebse auf dem Speiseplan der Berliner Unterschicht, Hunde, die Spießbraten drehten, gefüllten Rotkohl und Selleriebowle.

Vulkan Berlin – Zur Kulturgeschichte der Zwanziger-Jahre

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Wie gestaltete sich die Kultur in Berlin nach dem Ende des Kaiserreichs? Welche Rolle spielte die Fragilität der Weimarer Republik bei der Entwicklung Berlins zum kulturellen Hotspot? Wie golden waren die Zwanziger-Jahre wirklich? Wie heiß war der Tanz auf dem Vulkan? Wieso steht Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz" stellvertretend für diese Zeit? Welche Rolle spielt die "Neue Frau" in der Kulturgeschichte der Zwanziger-Jahre? Und was hat das Automobil damit zu tun?
Diese und weitere Fragen stellt Marc Lippuner Kai-Uwe Merz, dem Autor von "Vulkan Berlin".

Petra Schwarz – der Stimme verschrieben

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Petra Schwarz kam über die Musik zum Sprechen, das nun seit 40 Jahren ihr Beruf ist: Sie spielte Flöte im Oktoberklub, entwickelte dann das Vollprogramm des DDR-Jugendradios DT64 mit, arbeitete beim SFB und RBB, war Pressesprecherin im Berliner Senat, ist als Moderatorin, Stimmbildnerin und Coach unterwegs und hat seit letztem Jahr auch einen eigenen Podcast.
Marc Lippuner spricht mit der Frau, deren Stimme er immer wiedererkennen würde, über schwarz-weiße Meinungen zu sozialistischen Singeklubs und dem politischen Lied, über die Ventilfunktion des Jugendradios in der DDR, über East Side beim "Feindsender", über wirkungsvolles Kommunizieren sowie über nichts Geringeres als das Leben und den Tod.

#ActOut, Eddy!

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Alexander Weise gehört zu den 185 Schauspieler:innen, die 2021 das #ActOut-Manifest unterzeichnet haben, das mehr Akzeptanz und Anerkennung von LGBT-Personen innerhalb der deutschsprachigen Film-, Fernseh- und Theaterbranche fordert. In seiner ersten großen Regiearbeit hat er zwei Texte Édouard Louis’, des schwulen Shootingstars der französischen Literatur, für die Bühne adaptiert.
In "Das Ende von Eddy" erzählt Louis die Geschichte eines jungen schwulen Außenseiters, der – von Familie und Umfeld gemobbt und geächtet – sich seinen Weg aus der abgehängten Provinz in eine eigene, erfolgreiche Zukunft erträumt. In "Wer hat meinen Vater umgebracht" kehrt Eddy als etablierter Künstler nach Hause zurück und entdeckt, dass Empathie ein erster, möglicher Schritt zu gesellschaftlichem Handeln sein kann.

Marc Lippuner spricht mit Alexander Weise über #ActOut und die Folgen, über den Eddy in uns allen, über die verbindende Kraft des chorischen Theaters und darüber, dass Prenzlauer Berg einer kleinen Provinzstadt manchmal nicht ganz unähnlich ist.

Raksan – die Grande Dame des zeitgenössischen orientalischen Tanzes

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Raksan arbeitete zwei Jahre als Stuntfrau in Südeuropa, bevor sie Mitte der 1980er-Jahre in Berlin mit dem orientalischen Tanz in Berührung kam, der sie seitdem nie mehr losgelassen hat. Sie wurde für Zirkustourneen und Varieté-Shows gebucht, 1991 gehörte sie zu den Mitbegründer:innen des Chamäleon-Theaters. Seit dieser Zeit gibt sie ihr Wissen und ihre Erfahrung auch in Werkstattklassen zu zeitgenössisch-orientalischem Tanz weiter.

Marc Lippuner spricht mit Raksan über die Geschichte der Berliner Zirkus- und Varieté-Szene, über Bewegung als eigene Sprache, Improvisation als Kern des orientalischen Tanzes, über den Stellenwert des Tanzes gegenüber Poesie und Musik, über kulturelle Aneignung und damit einhergehend über die Frage, wieviel die Glamourversion des orientalischen Tanzes, wie er im westlichen Verständnis gelebt wird, mit der tatsächlichen Kultur zu tun hat.

Roman Shamov – das multimediale Multitalent

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Es gibt wenig, was Roman Shamov nicht gemacht hat. Er arbeitete als Beleuchter am Maxim-Gorki-Theater, spielte das Glücksschwein vom MDR, war Barkeeper im Berghain und rief zahlreiche Musikprojekte ins Leben, darunter Rummelsnuff und Meystersinger. Zur Zeit spielt er die Hetero-Macker in Adels Zabels Trash-Comedy-Produktionen, mimt den Schurken in einer neuen Netflix-Serie, produziert ein neues Album und schreibt nebenher seine Biografie, die den Arbeitstitel "Krawall in mir" trägt.
Mit Marc Lippuner spricht Roman Shamov über eine leise Kindheit, die ihn zum Lautsein zwang, über Fäuste in Puppen und Gurkensalat im Berghain, über die Liebe zu elektronischer Musik und die Seelenverwandtschaft mit Luci van Org, über Atemtherapie und Bühnenängste sowie über Selbstbekenntnisse am Mikrofon.

Über diesen Podcast

Der Kulturpodcast aus Berlin.

Jede Folge ist ein kleines Mosaiksteinchen im großen kulturellen Ganzen der Stadt, keine Folge gleicht der anderen, einige sind ganz kurz, andere länger, von Berlinbuch-Vorstellungen über Kulturspaziergänge und Hörspiele bis hin zu Lesungen, Features, Reportagen und Interviews.

von und mit Marc Lippuner

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